Was los mit Literatur?
„ But poetry, beauty, romance, love, these are what we stay alive for.“ -Dead Poets Society
Ein Gedicht. Ein Wort, das niemand so richtig versteht. Natürlich Schule. Goethe. Der Erlkönig.
Der Zauberlehrling. Auswendig aufsagen. Reim. Takt. Interpretationstexte. Aber die sind auch zu
schwer. Bei Matura. Nur für ‚gute Schüler‘. Lieber Textanalyse.
Lesen? Ja vielleicht ein Buch im Jahr. Für die Schule. Der Junge im gestreiften Pyjama. Tschick.
Schachnovelle. Wichtige Bücher. Aber nur Schule.
Zu Hause? Booktock. Trend? Ernstzunehmend? Dark Romance: Gut/Schlecht?
Bücher nur auf Englisch? Deutsch: tot?
Bücher: Überhaupt noch wichtig? Lyrik: Ausgestorben? Zu elitär? Oder nur der Zeitgeist?
Was ist ein Gedicht? Hilft es uns: Das Schreiben?
Gibt es essenzielle Schönheit als Standard? Braucht es Botschaften eingehüllt in Worte?
Was los mit Literatur?
Schönheit/Wahrheit
„Wir brauchen die Kunst, weil wir die Wahrheit brauchen.“
Buch (S. 13, Reclam): „Was ist ein Gedicht?“. Autor: Peter von Matt. Germanist. Aber die
Aussage? Vollkommenheit. Sein Standpunkt: Dichter streben danach. Doch das schon. Fehler.
Vollkommenheit sei nicht gleich Meisterwerk. Ein Gedicht sei wichtig. Allein durch seine Existenz.
Auch „große Dichter“ hätten Makel. Jedoch würde die Existenz alleine diesen Lapsus revidieren.
Denn Gedichte, wie Fehler seien tief-menschlich.
“I died for Beaty – but was scarce
Adjusted in the Tomb –
When One who died for Truth, was lain
In an adjoining Room –
He questioned softly “Why I failed?“ –
“For Beaty“, I replied –
“And I – for Truth – Themself are One –
We Brethern are“, He said
And so, as Kingsmen, met a Night –
We talked between the Rooms –
Until the Moss had reached our lips –
And covered up – Our names“
– Emily Dickinson –
Hier. Dickinson und Von Matt.
Sie sprechen über Wahrheit und Schönheit. Ultimativ verknotet.
Ein Gedicht ist wahr. Nicht objektiv. Doch allein durch das Subjekt. Menschlich. Innerlich. Die
Gefühle. Und das ist so eben auch die Schönheit.
Schönheit/Ästhetik
Aber Schönheit. Schwer Beschreibbar. Zu viele Definitionen. Subjektiv?/Objektiv? Nach Schiller:
kompliziert. Seine Theorie. Sinnlichkeit + Vernunft = Schönheit. Er unterteilt diese. „Schmelzend“:
das Äußere. „Energische“: das Innere. Versteckt im Äußerlichen ist die Innere Schönheit. Diese ist
das Gleichgewicht zwischen Sinnlichkeit und Vernunft.
„I saw the best minds of my generation destroyed by madness, starving hysterical naked[…]“
Gedichtsauschnitt: Howl. Autor: Allan Ginsberg. Beat Generation. Vater der Flower-PowerBewegung. Ausgewählte Freunde: Bob Dylan, Paul McCartney, Timothy Leary.
(1954-1955. Schreibdauer. Widmung: Carl Solomon. Ein Freund aus der Psychiatrie.)
Äußerlich: Drogen, Suizid, Sex. Innerlich: Einsamkeit, Überforderung, Lust.
Hässlichkeit hat einen Anspruch. Nicht alles muss Normschön sein.
Schönheit versteckt sich.
Schönheit/Arbeit
Schönheit kämpft. Mit Arbeit. Dem Wissen nach Imperfektion. Ein Werk. Zertrümmert. Nie
entstanden. Wegen Zweifel. Wegen fehlender Aussagekraft?
Mein Innres aber muß ich Ihnen darlegen, eine Sonderbarkeit, eine Unart, wenn Sie wollen eine
Krankheit meines Geistes, wenn Sie begreifen sollen, daß mich ein ebensolcher brückenloser
Abgrund von den scheinbar vor mir liegenden literarischen Arbeiten trennt, als von denen, die
hinter mir sind und die ich, so fremd sprechen sie mich an, mein Eigentum zu nennen zögere.
(Ein Brief: (auch: Brief des Lord Chandos an Francis Bacon/ Hofmannsthal))
„Das kann ich auch!“ Materie: Hofmannsthal. Schreiben wie er? Ein Traum. War der Brief bloß
Eingebung? Oder doch Arbeit?
Ist Arbeit der Eingebung unterzuordnen? Ist Schönheit die sofortige Perfektion?
Schreiben. Nicht nur Eingebung. Kanalisation. Verarbeitung. Erinnerungen. So auch Howl. Einzig
und allein. Fragmente des Selbst. Doch einzigartig.
Nicht Eingebung ist höher gestellt. Nein. Die innere Schönheit selbst.
Schönheit/Politik
Nur schlechte Nachrichten. Kriege. Klimakiese. Teuerung. Corona.
Schule. Wie oben. Kein Lesen. Oder wenn ja. Keine Interessanten Bücher. Zumindest subjektiv.
Laut Studie.
Soziale Netzwerke. Ein Sog. Video. Nach. Video. Doomscrolling. Frust. Langeweile.
Kontrolle: Tech-Milliardäre. Unterstützung: Trump. Ziel: Geld.
Wo bleibt Platz für Schönes? Wo herrscht noch die Welt der Utopie?
In Literatur. Zufluchtsort. Ablenkung. Vergessen. Entspannen.
Doch auch hier. Wenn auch Bestritten. Literatur ist politisch. Muss politisch bleiben.
Garantie. Für kritisches Denken. Und Schönheit. Muss zu einem
erheblichen politischen Akt transformieren. Um zu zeigen: Schönheit ist ein Recht.
Schönheit/Recht
„Die Schönheit gibt sich jedem Alter, jedem Geschlecht, jeder Bildung, jedem Stande mit gleicher
Milde zu erkennen.“
Zitat: Schiller. Buch: Die ästhetische Erziehung des Menschen. Bedeutung: Für ihn ist Schönheit
ein universales Recht. Denn nur dadurch sind wir „ganz“.
Schönheit. Make up. Film. Fernsehen. Kleidung. Musik. Literatur. Malerei. All das muss für jeden
eine Option sein.
Leider. Viel zu viele haben keinen Zugang. Armut. Traumata. Körperliche Probleme. Krieg.
Naturkatastrophen. Angst.
Kunst und Ästhetik. Sind wichtig für alle. Laut Schiller: Ohne Schönheit. Keine Moral.
Ohne Schönheit. Was kommt dann?
Schönheit/Literatur
Literatur. Andere Künste. Dienen als Verbindung zur Schönheit. Sie können: Welten erschaffen.
Geschichten erzählen. Und Schönes zeigen.
Ohne Literatur gäbe es keine wörtliche Beschreibung der Ästhetik. Keinen Katalysator für die
innere Wahrheit. Sinnlichkeit. Vernunft
Und deshalb ist Schönheit ein Menschenrecht!


