Besuch in der Justizanstalt Graz-Jakomini
Zu Beginn des Monats hatte unser Redaktionsteam die spannende Möglichkeit, einen Blick in die Justizanstalt Jakomini zu werfen. Begleitet von Philipp Hamedl gingen unsere Journalist:innen durch die Gebäude und sahen sich die Institution ganz genau an. Hier findet ihr jetzt einige Stimmen der Projektteilnehmenden, die euch in kurzen Statements sagen, welche Aspekte besonderen Eindruck bei ihnen erzeugt haben.
Moritz Schweitzer:
Durchaus mit einem hohen Maß an Respekt habe ich nach unserem Ausflug die JA Jakomini verlassen. Ich finde es großartig, dass wir die Möglichkeit haben, Orte zu besuchen, die sonst für die Öffentlichkeit nicht zugänglich wären. So hat die JA bei mir definitiv einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Unfassbar interessant, umfassend und etwas unheimlich. Danke für diesen Ausflug!
Nina Gödl:
Ich fand die Führung durch die Justizanstalt Jakomini wirklich sehr interessant und aufschlussreich.
Unser Guide hat sehr darauf geachtet, dass wir möglichst keine Insassen sehen, was ich sehr gut fand. Ich hatte zuerst nämlich Bedenken, ob ich an der Führung teilnehmen soll oder nicht, weil ich nicht wusste, wie so etwas gehandhabt wird, und ich es nicht wirklich in Ordnung gefunden hätte, wenn die Insassen uns quasi „vorgeführt“ worden wären – aber das war eben zum Glück überhaupt nicht so.
Bezüglich der Zellen muss ich sagen, dass diese doch etwas kleiner sind, als ich erwartet hatte, und ich mich darin recht beengt gefühlt habe. Vor allem die Zelle für Personen, die sehr aggressiv oder selbstgefährdend sind, fand ich etwas schockierend, da in dieser wirklich nur eine Matratze und eine Toilette sind – allerdings ist natürlich die Frage, was eine bessere Alternative wäre.
Ich finde es wirklich super, dass es die Möglichkeit gibt, Führungen durch die Justizanstalt zu machen, da man Gefängnisse meistens doch nur aus amerikanischen Fernsehserien kennt und so aber einen kleinen Einblick in die Realität bekommt.
Alexandra Lehner:
Der Besuch half mir sehr, mir überhaupt vorstellen zu können, wie es in einem Gefängnis aussieht und wie es wohl sein muss, dort zu leben oder zu arbeiten. Menschenrechtlich bedenklich finde ich es, wie wenig Insass:innen für ihre Arbeit in den Betrieben und Werkstätten verdienen und wie teuer auf der anderen Seite die Waren im Gefängnis-Supermarkt sein können, die ja eine gewisse Marktmonopolmacht haben.
Außerdem ist es sehr schade, dass aufgrund der massiven Personalunterbesetzung die Bibliothek nicht ausreichend genutzt werden kann, wo man sich Bücher, Musik und Filme ausborgen könnte. Derweil würde ich das unglaublich wichtig finden!
Laura Bruckner:
Als wir durch das Tor bzw. den Sicherheitsscheck gegangen sind, standen wir in einem Hof, wo wir die Justizanstalt und einen Teil des Arbeitsbereichs (z. B. KFZ-Wäsche) sehen konnten.
Als Nächstes wurde uns ein Haftraum gezeigt, in dem zwei Insassen Platz haben. Die Betten und die Einrichtung waren schon etwas älter, und die Wände waren bemalt bzw. teilweise beschrieben. Es stand ein Fernseher zur Verfügung. In diesem Raum zu stehen, gab mir ein beklemmendes Gefühl. In so einem engen Raum mit einer anderen, fremden Person zu sein (das für 23 Stunden täglich), stelle ich mir sehr schwierig vor.
Ich stelle mir die Frage, wie förderlich es für die Resozialisierung ist, wenn man mit jemandem in einem Raum ist, der gewalttätig ist oder ein schwerwiegendes Delikt begangen hat. Wenn man an Haft denkt, verbindet man automatisch Gewalt und sexuelle Übergriffe damit. Es kommt in seltenen Fällen zwar vor, jedoch sind die Justizwachebeamten und Sozialarbeiter:innen dahingehend sehr gut geschult, falls es zu solchen Situationen kommen sollte. Der Gedanke ist trotzdem beängstigend und für neu inhaftierte Personen auch nicht einfach, damit klarzukommen.
Weiters wurde uns ein Raum gezeigt, in den suizidgefährdete Menschen gebracht werden. In diesem Raum sind lediglich eine Matratze, eine Toilette und ein Fernseher in der Wand. Die Atmosphäre im Raum war bedrückend. Hier sollen die Menschen nicht lange bleiben, nur solange, bis man einen Platz in der Psychiatrie bekommen bzw. die Situation sich beruhigt hat und dem Menschen geholfen werden konnte. Alles andere wäre auch eine Zumutung für die psychisch instabile Person, da es nicht förderlich wäre, wenn sie alleine in einem kleinen Raum gefangen gehalten wird.
Anfangs wurde uns ein „Gedenkraum“ gezeigt, wo damals zur Zeit des Zweiten Weltkrieges Hinrichtungen stattgefunden haben. Die Namen der Opfer zu sehen und zu wissen, dass es an diesem Standort Hinrichtungen gab, lässt einen nachdenklich werden. Es ist gut, dass man dafür Bewusstsein schafft (auch wenn es nur bei Führungen gezeigt wird), aber gleichzeitig empfindet man eine gewisse Hilflosigkeit. Der Tag in der Justizanstalt ließ einen fast sprachlos zurück und wirft viele Fragen zu unserem Resozialisierungssystem auf. Es ist klar, dass unser System noch ausbaufähig ist, jedoch darf man auch die Fortschritte nicht außer Acht lassen.
Shaja Dalipovic:
Der Besuch der Justizanstalt Jakomini hat bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Als freier Mensch durch die Gänge zu gehen, während hinter verschlossenen Türen Menschen Tag für Tag ihre Strafe verbüßen, lässt einen nicht unberührt. Die kargen, kalten Räume des Strafvollzugs wirken abschreckend.
Besonders beklemmend war für mich der Bereich, in dem jugendliche Insassen untergebracht sind. Es ist schwer zu ertragen, diese Realität mit eigenen Augen zu sehen. Gleichzeitig wirft sie viele Fragen auf: Wie konnte es so weit kommen? Was hätte vielleicht verhindert werden können?
Zwar ist es das Rechtssystem, das die Jugendlichen zu einer Freiheitsstrafe verurteilt hat – jedoch ist es auch dasselbe System, das möglicherweise zu einem früheren Zeitpunkt hätte eingreifen und helfen können. Dieser Gedanke bleibt hängen und regt zum Nachdenken über Prävention, Verantwortung und gesellschaftliche Strukturen an.


