Kenne deine Rechte

Ein Piks aus Solidarität


Die Impfkampagne in Österreich läuft an. Wurde anfangs noch Kritik laut, es gehe zu wenig weiter beim Impfen, nimmt das Impftempo jetzt endlich zu. Die Impfrate sprengt fast täglich die 100.000er-Marke. Die steigende Impfquote sorgt wohl gemeinsam mit den immer wärmeren Temperaturen auch dafür, dass die Covid-Infektionsrate in Österreich auf einen neuen Tiefstand gesunken ist. So wenige Infektionen wie aktuell wurden zuletzt im frühen Herbst 2020 verzeichnet. Das bietet Grund zum Durchschnaufen nach einer langen Periode der Anspannung. Voreiliger Jubel wäre aber an dieser Stelle verfehlt. Denn noch ist das Virus da – und es wird wohl auch nicht so schnell weggehen.

Und hier kommt auch der große Haken an der Impfgeschichte: Es wird der Tag kommen – und es sieht so aus, als würde dieser wohl eher früher als später kommen –, an dem wir uns darüber Gedanken machen müssen, was passiert, wenn alle „Impfwilligen geimpft sind“, wie es Sebastian Kurz immer wieder gerne formuliert. Der Tag, an dem sich zeigen wird, wie viele Menschen in Österreich nicht bereit sind, sich zum Wohl der Allgemeinheit impfen zu lassen. Und es ist tatsächlich das Wohl der Allgemeinheit, um das es bei der Impfung geht.

Denn, das werden zahlreiche Wissenschaftler:innen nicht müde zu betonen, wer sich nicht impfen lässt, läuft wohl unweigerlich Gefahr, sich irgendwann mit dem Virus zu infizieren. „Wenn Sie sich nicht impfen lassen, ist Ihr Risiko 100 % Prozent, dass Sie irgendwann daran [an Covid, Anm.] erkranken“, formulierte es Christoph Wenisch, Infektiologe am Klinikum Favoriten, etwas polemisch. Und hier liegt das große ethische Problem begraben. Anders, als viele argumentieren, gefährden Impfverweigerer durch den Verzicht auf die Impfung nämlich nicht nur sich selbst. Sie gefährden auch andere Menschen, und zwar jene, die sich aufgrund ihres Alters, diverser Vorerkrankungen oder Ähnlichem nicht impfen lassen können. Auf die Impfung bewusst zu verzichten heißt also potentiell Mitmenschen in Gefahr zu bringen, die nicht in der Lage sind, eine Impfung zu bekommen.

Die Covid-Pandemie zu bekämpfen ist ein Gemeinschaftsakt. Und genau dieses gemeinsame Zueinanderstehen, diese gesellschaftliche Solidarität, die wir während dieser Pandemie immer wieder gezeigt haben, müssen wir auch auf den letzten Metern beim Impfen zeigen. Denn letztendlich ist dieser kleine Piks nicht nur eine Frage des persönlichen Schutzes, sondern ein gesellschaftlicher Solidaritätsakt.


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