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Rohstoffe – Teil 2: Kobaltabbau im Kongo


Kobalt ist ein wichtiger Bestandteil in vielen elektronischen Geräten. So bedeutend das Metall ist, so dramatisch sind die Bedingungen, unter denen es gewonnen wird. Im Kongo arbeiten Menschen in lebensgefährlichen, illegalen Minen daran, diesen Rohstoff abzubauen. Deren Lebensumstände behandelt Teil 2 von 3 dieser Beitragsserie zu Rohstoffen.

Immer mehr, immer schneller

Kobalt ist ein in der Erdkruste sehr selten vorkommendes Element, das in seiner metallischen Reinform aus Kobalterz gewonnen wird. Verwendet wird es vor allem in Mobilgeräten, etwa Smartphones, Tablets oder Laptops. Es ist ein essenzieller Bestandteil der dort verbauten Lithium-Ionen-Akkus, welche die gängigste Form von Akkumulatoren darstellen. Dieselben Akkus werden auch in Elektroautos verbaut, wodurch Kobalt auch in der Fahrzeugbranche immer wichtiger wird. Seit Jahren steigt die weltweite Nachfrage nach dem begehrten Metall jährlich um etwa sieben Prozent an. Zwischen 2001 und 2017 hat sich die produzierte Menge beinahe verdreifacht – von 40.000 Tonnen auf über 110.000 Tonnen.[1]

Mehr als die Hälfte der weltweiten Kobalt-Reserven befinden sich in den Böden der Demokratischen Republik Kongo. Der zentralafrikanische Staat zählt zu den rohstoffreichsten, gleichzeitig aber auch zu den ärmsten Ländern der Welt. Neben Gold, Diamanten, Kupfer, Zinn und Blei ist auch der Abbau und Export des Kobalterzes ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.[2] Das im Kongo geförderte Kobalt macht rund 60 Prozent der derzeitigen, weltweiten Gesamtfördermenge aus. Der Großteil wird industriell von multinationalen Konzernen abgebaut. Jedoch stammt ein nicht unerheblicher Beitrag aus kleinen, inoffiziellen Minen, die von der lokalen Bevölkerung betrieben werden. Schätzungen gehen davon aus, dass diese für bis zu zehn Prozent der im Kongo abgebauten Menge verantwortlich sind.[3]

Leiden für den Fortschritt

Etwa eine Million Kongoles:innen arbeiten im Kleinbergbau und bauen Kobalt und andere Erze von Hand (!) ab.[4] Mangels wirtschaftlicher Perspektiven und ohne Schutzausrüstung oder Sicherheitsvorkehrungen schuften sie Tag für Tag unter lebensgefährlichen Bedingungen in illegalen Minen. Sie erhalten lediglich einen Hungerlohn – umgerechnet meist weniger als fünf Euro pro Tag – für den sie ihre Gesundheit opfern. Die Lebensumstände im Kongo zwingen die Menschen dazu, sich in metertiefe, ungesicherte Stollen zu begeben, wo sie unter klaustrophobischen Platzverhältnissen das Kobalterz aus dem Felsen schlagen. Stets begleitet sie dabei die Gefahr, lebendig begraben zu werden, denn die engen Tunnel sind oft einsturzgefährdet.

Es ist keine Seltenheit, dass auch Kinder in den illegalen Minen arbeiten. Zwar gibt es im Kongo staatliche Gesetze, die Kinderarbeit verbieten, diese existieren aber nur auf dem Papier und werden in der Praxis nicht eingehalten. Das internationale Übereinkommen über die Rechte des Kindes besagt ebenfalls, dass Kinderarbeit verboten ist und Kinder vor wirtschaftlicher Ausbeutung geschützt werden müssen. Viele Familien sind aufgrund der Armut aber dazu gezwungen, ihre Kinder in den Abbaugebieten arbeiten zu lassen, oft schon im Vorschulalter. In langen Schichten sortieren die Jüngeren das Bruchgestein, während die Älteren schwere, körperliche Arbeit verrichten müssen. Die Zustände sind prekär. Mit bloßen Händen durchsuchen Kinder die Gesteinsbrocken, atmen den schädlichen Staub ein und klettern an grob behauenen Felswänden in die dunklen Schächte hinab. Handschuhe oder Helme gibt es nicht, oft tragen sie nicht einmal Schuhe. Ihre Chancen, diesem traurigen Dasein zu entkommen, sind minimal. Die meisten werden ihr ganzes Leben in den Minen verbringen.

Unternehmen in der Kritik

Zwar verzichten manche Unternehmen gänzlich auf Kobalt aus dem Kongo und greifen stattdessen auf Abbaugebieten in Australien oder Russland zurück, jedoch reicht die dort geförderte Menge nicht aus, um die Nachfrage am Weltmarkt zu befriedigen. Angesichts der internationalen Kritik versucht die kongolesische Regierung daher, die Arbeitsbedingungen im Kleinbergbau zu verbessern, indem sie Flächen ausweist, wo oberflächennah Kobalt abgebaut werden darf. Da die ertragreichen Gebiete aber bereits von den industriellen Betrieben besetzt sind, werden diese meist geologisch unattraktiven Areale kaum genutzt. Somit geht der illegale Abbau in den lebensgefährlichen Minenschächten unvermindert weiter.

Weltbekannte Konzerne wie Apple, Microsoft, Samsung oder Tesla beteuern, dass ihr Kobalt sauber und fair gewonnen wird. Angeblich stammt es aus offiziellen Minen, ohne Kinderarbeit und ohne die Arbeiter:innen auszubeuten. Tatsächlich lässt sich der Weg des Kobalts aber kaum zurückverfolgen. Vielfach sind es chinesische Bergbauunternehmen, die sowohl die industriell betriebenen Minen verwalten, als auch das Kobalt des Kleinbergbaues aufkaufen. Schon vor dem Weitertransport des Kobalterzes kann nicht mehr festgestellt werden, ob es aus einer legalen Mine stammt, oder im Kleinbergbau von einem Kind abgebaut wurde.

Eine unklare Zukunft

Was dem Image der Technologiekonzerne schadet, ist leider die Lebensgrundlage vieler Menschen im Kongo. Diese dramatische Situation lässt sich nicht dadurch lösen, dass jene Konzerne angesichts der unklaren Herkunft ihres Kobalts verdammt werden. Denn auch wenn es in anderen Teilen der Welt genügend Kobalt gäbe und der Kongo keine große Relevanz mehr besäße, wäre die dortige Bevölkerung immer noch vom Abbau und Verkauf dieses Rohstoffes abhängig. Zudem darf nicht außer Acht gelassen werden, dass das Problem nicht nur das Kobalterz ist. Viele weitere Rohstoffe werden unter den gleichen dramatischen Bedingungen gefördert. Um der Armut und Kinderarbeit tatsächlich ein Ende zu bereiten, sind Hilfsprogramme unerlässlich. Unterstützungsleistungen der Weltbank und anderer internationaler Finanzierungsstrukturen zielen daher darauf ab, den Kongo wirtschaftlich zu stärken. Eine stabilere Wirtschaft würde die hohe Armut im Land lindern und neue Erwerbsmöglichkeiten schaffen, sodass niemand mehr in einsturzgefährdeten Minenschächten arbeiten müsste. Dieser Prozess schreitet aber nur sehr langsam voran und wird daher noch viele Jahre in Anspruch nehmen.

In unserer technologisierten Gesellschaft ist es fast unmöglich, auf Geräte und Produkte zu verzichten, die Kobalt enthalten. Trotzdem können wir auf das Thema des problematischen Abbaus aufmerksam machen und andere dazu animieren, sich mit der Lage in der Demokratischen Republik Kongo auseinanderzusetzen. Es gilt, Zusammenhänge zu verstehen, für Menschenrechte einzutreten und sich entschieden gegen eine Verletzung dieser Rechte zu positionieren. Das ist ein erster, wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

In Rohstoffe – Teil 3 geht es um die Erdölgewinnung in Nigeria, die seit vielen Jahren zu massiven Verschmutzungen im Nigerdelta führt.

Quellen

[1] https://www.deutsche-rohstoffagentur.de/DE/Gemeinsames/Produkte/Downloads/
DERA_Rohstoffinformationen/rohstoffinformationen-36.pdf?__blob=publicationFile&v=2

[2] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/38455/umfrage/
weltweite-reserven-an-cobalt/

[3] https://www.bgr.bund.de/DE/Gemeinsames/Oeffentlichkeitsarbeit/Pressemitteilungen/
BGR/bgr-2020-07-07_pm_studie-kleinbergbau-dr-kongo-corona-krise.html

[4] https://www.bgr.bund.de/DE/Gemeinsames/Oeffentlichkeitsarbeit/Pressemitteilungen/
BGR/bgr-2020-07-07_pm_studie-kleinbergbau-dr-kongo-corona-krise.html


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