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Rohstoffe – Teil 1: Bauxitabbau in Brasilien


Brasilien ist eines jener Länder, in denen weltweit am meisten Bauxit abgebaut wird. Ein großer Teil des Rohstoffes ist unter Regenwaldgebieten zu finden, die im Zuge des Abbaus gerodet werden. Dies zerstört die Natur und beraubt indigene Völker ihrer Lebensgrundlage. Wie die dort lebenden Menschen unter dem Abbau von wichtigen Rohstoffen leiden, erklärt Teil 1 von 3.

Vom Gestein zum glänzenden Metall

Bauxit ist ein rötliches Erzgestein, das hauptsächlich im Tagebau, also an der Erdoberfläche, abgebaut wird. Es ist das Ausgangsmaterial der Aluminiumproduktion und wird weltweit in großem Stil gefördert. Aluminium findet sich in vielen Gegenständen des täglichen Gebrauchs und ist für zahlreiche Branchen unverzichtbar. So ist Aluminium aus dem Bauwesen oder der Automobilindustrie nicht mehr wegzudenken. Auch bei Smartphones, Getränkedosen, Fahrrädern oder bei Alufolie, zum schnellen verpacken von Lebensmitteln, setzt man auf das vielseitige Metall.

Um Aluminium herzustellen, wird das Bauxit nach dem Abbau mit Natronlauge vermengt und in Aluminiumwerken erhitzt. Dadurch löst sich das Aluminium und die entstandene Lösung wird mit weiteren Verfahren zu metallischem Aluminium reduziert. Dabei entsteht auch ein eisenhaltiger, roter Rückstand. Dieser giftige, rote Schlamm, der auch als Rotschlamm bezeichnet wird, wird in großen Deponiebecken gelagert, da er nicht weiterverwendet werden kann. Die Aluminiumproduktion ist ein Prozess, der extrem energieaufwändig ist.

Brasiliens Indigene unter Bedrängnis

Für die knapp 900.000 Indigene in Brasilien stellt der Bauxitabbau ein gravierendes Problem dar. Er zerstört den Regenwald und führt auch auf andere Weise zu enormen Umweltschäden. Für indigene Völker, die zum Überleben auf ein intaktes Ökosystem angewiesen sind, erweist sich das als fatal. Sie sind gezwungen, verschmutztes Wasser zu trinken, und können oft nicht mehr fischen, da ihre Gewässer schwer geschädigt sind. Das Land, auf dem sie oft seit Generationen leben, wird vernichtet und ihnen sowohl auf legalem als auch auf illegalem Wege genommen. Das passiert einerseits durch Bergbauaktivitäten, um Rohstoffe wie Bauxit oder Gold zu gewinnen, andererseits auch durch Brandrodungen, um Landwirtschaft und Viehzucht zu betreiben.[1]

Wie in den vergangenen Jahrhunderten seit der europäischen Kolonisierung Brasiliens, werden Indigene nach wie vor als Menschen zweiter Klasse behandelt. Sie genießen nicht dieselben Rechte wie die Mehrheitsbevölkerung und leiden unter Repressionen und Rassismus. Für sie ist es aber besonders belastend, dass ihnen ihr Land weggenommen werden kann, da es von der brasilianischen Regierung nicht als ihr Besitz anerkannt wird. Immer wieder kommt es daher zu gewaltsamen Konflikten mit Bergbaukonzernen des Bauxitabbaus, Goldsucher:innen und Farmer:innen. Indigene Gruppen werden von Bewaffneten, die das Gebiet wirtschaftlich nutzen wollen, aus ihrer Heimat vertrieben. Setzen sie sich dagegen zur Wehr, gibt es oft auf beiden Seiten Todesopfer. [2]

Bauxitabbau zerstört die Umwelt

Um Bauxit und andere Rohstoffe zu gewinnen, müssen die betreffenden Waldgebiete gerodet werden. Daher werden jährlich riesige Flächen des Amazonas Regenwaldes vernichtet. Wo einst gesunde Bäume und Pflanzen wuchsen, befindet sich nun nur noch ein Loch im Boden, das von Baggern und Baumaschinen umgegraben wird. Neben den Rodungen werden im Umfeld der Abbaugebiete Siedlungen und Aluminiumwerke geschaffen, um das Erz weiterzuverarbeiten. Deren hoher Energiebedarf wird dadurch gedeckt, dass auch in den abgelegensten Gegenden immer neue Wasserkraftwerke gebaut werden. Diese verändern nicht nur den Lebensraum der Tiere und Pflanzen, sondern auch jenen der indigenen Völker, da sie mitunter deren Land überfluten.

Schon mehrfach kam es zu Unfällen, bei denen Dämme von Rotschlammdeponien brachen und die daraus resultierenden Flutwellen ganze Landstriche unter einer roten Schlammschicht begruben. Die Auswirkungen solcher Unfälle sind verheerend. Chemikalien und Schwermetalle verseuchen Boden und Gewässer, töten Flora und Fauna, und schädigen die Gesundheit der dort lebenden Menschen. Indigene Völker sind demnach nicht nur durch die unmittelbaren Auswirkungen des Bauxitabbaus in Gefahr, sondern müssen vielerorts auch mit der ständigen Bedrohung durch solche Unfallszenarien leben.

Auch wir sind betroffen

Die negativen Folgen der Aluminiumproduktion betreffen nicht nur Menschen in tausenden Kilometern Entfernung. Auch im näheren Umfeld Österreichs waren sie im Oktober 2010 zu beobachten, als in Ungarn der Damm einer Rotschlamm-Deponie brach. Die folgende Schlammlawine tötete 150 Menschen und beschädigte mehrere Dörfer stark. Die damals überfluteten Landstriche sind teils auch heute noch mit Chemikalien und Schwermetallen kontaminiert.

So nützlich und vielseitig einsetzbar Aluminium auch ist, zeigt sich damals wie heute, dass die Herstellung des Metalls mit großen Risiken und Nachteilen verbunden ist. Den meisten Menschen ist es gar nicht bewusst, mit welchen Auswirkungen der Aluminiumproduktion andere Teile der Erde konfrontiert sind, während sie kühle Getränke aus Aluminiumdosen trinken.  Vielleicht sollte man kurz innehalten und nachdenken, bevor man sein nächstes Jausenbrot in Alufolie verpackt.

In Rohstoffe – Teil 2 geht es um den Kobaltabbau im Kongo. Auch dort müssen die Menschen Schlimmes ertragen, um das seltene Erz aus dem Boden zu holen.

Quellen

[1] https://www.iwgia.org/en/brazil.html

[2] https://www.survivalinternational.de/indigene/brasiliens

Titelbild: “Stockpiling of bauxite ore – Hydro Paragominas” by Norsk Hydro ASA is licensed under CC BY-NC-SA 2.0


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