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Krieg im Jemen – Teil 1: Warum herrscht im Jemen Krieg?


Jemen, 2015. Der Machtkampf zwischen der international anerkannten, jemenitischen Regierung und den Huthi Rebellen eskaliert. Eine von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition beginnt mit Luftangriffen auf Stellungen der Huthi-Truppen. Es folgt ein bis heute andauernder Bürgerkrieg, mit verheerenden Auswirkungen auf die Bevölkerung. Welche Geschehnisse haben dazu geführt, dass im Jemen Krieg herrscht und wie geht es den dort lebenden Menschen? Teil 1/3.

Im Jemen tobt seit 2015 ein unmenschlicher Krieg, der von tausenden Toten, Hunger und Vertreibung geprägt ist. Der Weg in den Bürgerkrieg begann schon vier Jahre früher, im Jänner 2011, als der Arabische Frühling – eine Reihe von Protesten und Revolutionen in arabischen Ländern – auch den südlichsten Staat der Arabischen Halbinsel erreichte. Landesweite Aufstände und wachsender Widerstand der Opposition zwangen den diktatorisch regierenden Präsident Ali Abdullah Saleh, sein Amt niederzulegen und die Machtbefugnisse bis zu den angekündigten Neuwahlen an seinen Vizepräsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi zu übergeben. Monate später gewann Hadi die neue Präsidentschaftswahl. Er war der einzige zur Wahl stehende Kandidat. Das verschärfte die Spannungen im Land weiter, denn die Bevölkerung hatte sich nach dem Sturz Salehs die Demokratisierung erhofft.

Im Herbst 2014 nahmen die seit Jahren an Einfluss gewinnenden Huthi-Rebellen und Anhänger des früheren Präsidenten Saleh gewaltsam die Hauptstadt Sanaa ein. Durch die militärische Niederlage unter Druck gesetzt, legte Anfang 2015 auch Hadi das Amt als Präsident nieder. Seine Rücktrittserklärung nahm er wenig später wieder zurück und begab sich in die südlich gelegene Großstadt Aden, die er zur neuen Hauptstadt des Jemens erklärte. Bedroht durch den weiteren Vormarsch der Huthi-Truppen und aufgrund eines auf ihn ausgesetzten Kopfgeldes, floh Hadi im März desselben Jahres ins saudi-arabische Exil.[1]

Intervention ausländischer Akteure

Im vom sunnitischen Islam geprägten Saudi-Arabien beobachtete man die eskalierende Situation mit Sorge. Den Huthi-Rebellen die Macht im benachbarten Jemen zu überlassen, war keine Option. Die Huthi gehören dem schiitischen Islam an und werden vom ebenfalls schiitischen Iran gestützt, mit dem Saudi-Arabien seit langer Zeit um die Vorherrschaft im Nahen und Mittleren Osten ringt. Um zu verhindern, dass der Iran seinen Einfluss in der Region ausbauen konnte, startete eine von Saudi-Arabien geführte Koalition mehrerer sunnitischer Golfstaaten im Frühling 2015 eine Militärintervention. An der Seite Hadi-loyaler, jemenitischer Truppen griff die Allianz Ziele im Jemen an. Unterstützung erhielt die Koalition von Frankreich, Großbritannien und den USA. Durch das Chaos im Jemen konnten währenddessen extremistische Gruppen wie al-Qaida und der IS erstarken. Diese verfolgten ihre ganz eigenen Ziele, erschütterten das zerstörte Land mit terroristischen Akten und bekämpften sowohl die Koalitionsstreitkräfte als auch die Huthi-Rebellen.

Menschliches Leid im Konfliktgebiet

Nach fast sechs Jahren Krieg sind die Lebensumstände der jemenitischen Bevölkerung katastrophal. Das International Rescue Committee (IRC) bezeichnete die Situation im Jemen in seiner jährlichen Rangliste Anfang 2021 zum dritten Mal als größte humanitäre Katastrophe der Welt. Von über 29 Millionen Jemenit:innen sind 80 Prozent auf die Unterstützung von Hilfsorganisationen angewiesen. Es herrschen Krankheiten und Hunger, die der schlechten medizinischen Versorgung, dem Mangel an sauberem Wasser und der ungenügenden Versorgung mit Nahrungsmitteln geschuldet sind. Im Verlauf des Konfliktes wurden vielfach Krankenhäuser durch Luftangriffe zerstört, was dazu führte, dass heute 50 Prozent aller jemenitischen Gesundheitseinrichtungen beschädigt oder zerstört sind. Sauberes Trinkwasser und Sanitäranlagen stehen nur einem knappen Drittel der Bevölkerung zur Verfügung. Vor allem Kinder leiden unter der Nahrungsknappheit, welche die Hälfte der Bevölkerung betrifft – 2021 sind bereits 53 Prozent der Minderjährigen unterernährt.[2] Durch die anhaltende Gewalt sind 3,6 bis 4 Millionen Einwohner:innen zu Flüchtlingen im eigenen Land geworden. Wenigen zehntausend Menschen gelang die Flucht ins Ausland.[3] [4]

Der europäische Wohlstand lässt es fast surreal erscheinen, dass es im Jahr 2021 noch Menschen gibt, die Hunger leiden und mit geringsten Mitteln um ihr Überleben kämpfen müssen. Es ist wichtig, dass in solchen Situationen nicht weggeschaut wird. Warum die westlichen Gesellschaften es trotzdem tun, wird in Teil 2/3 analysiert.

Quellen

[1] https://www.welthungerhilfe.de/aktuelles/
gastbeitrag/2019/hintergrundanalyse-jemen-konflikt/

[2] https://de.rescue.org/artikel/krise-jemen-endloser-
konflikt-und-drohende-hungersnot

[3] https://www.uno-fluechtlingshilfe.de/hilfe-weltweit/jemen/

[4] https://www.internal-displacement.org/global-report/grid2020/

Bild: “Yemen” by Rod Waddington is licensed with CC BY-SA 2.0. To view a copy of this license, visit https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/


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