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Kinderwunsch doch nicht nur Frauensache? Die Norm der Gesellschaft


Wie viele Frauen haben schon Kommentare zu hören bekommen, wie: „du musst Kinder bekommen, das erfüllt dein Leben“, „du bist eine Frau, deine Aufgabe ist es Kinder zu bekommen“? Vor allem, als die strikteren Gesetze in Alabama und Polen in Kraft getreten sind bezüglich Abtreibungen, haben sich viele Frauen in ihren Rechten eingeschränkt gefühlt und es kam zu einer kontroversen Meinungsverschiedenheit in der Gesellschaft, die deutlich gezeigt hat, dass die Gesellschaft einen enormen Druck auf die Frau und ihre Kinderwünsche ausübt. In diesem Text wird erörtert, wie sich der gesellschaftliche Druck auf die Frau, mit Beachtung der psychischen Aspekte, auswirkt.

Pro life & pro choice – Begriffe, die uns geläufig sind. Doch was steckt dahinter? Menschen die pro life sind, sind gegen Abtreibungen und sehen dies meist als „Mord“ an. Menschen, die pro choice sind, sind für Abtreibungen und die meisten Menschen verbinden damit die Wahrung der Rechte der Frau. Beides Ansichten, die man vertreten kann. Jedoch bleibt es meistens nicht bei einem kleinem Meinungsaustausch, sondern es artet sich auf persönlicher Ebene aus. Frauen, die sich für eine Abtreibung aus diversen Gründen entscheiden, bekommen oft hasserfüllte Kommentare wie zum Beispiel: „Du bist eine Mörderin“, „Wie kannst du dein eigenes Fleisch und Blut nicht lieben und behalten wollen- das ist deine Aufgabe!“. Diese und weitere stereotypischen Aussagen zeigen, dass Abtreibungen anscheinend nicht nur Sache der Frau sind.

Meistens werden Abtreibungen mit „kein Kinderwunsch“ in Verbindung gebracht. Aber was hören Frauen, die von Anfang an sagen, dass sie keine Kinder wollen? Diesen Frauen werden ebenfalls vorgeworfen, dass sie keine „richtige“ Frauen seien und dass Kinder bekommen deren einzige Erfüllung sei. Die Gründe der Frau können unterschiedlich sein, warum kein Kinderwunsch besteht. Die meist genannten Gründe sind jedoch: 1.) Finanzielle Belastbarkeit, 2.) Angst vor Vererbung diverser Krankheiten; 3.) Keine Vereinbarung mit der Karriere; 4.) Kein Mutterinstinkt; 5.) Angst vor Verantwortung; 6.) Unzumutbarkeit der Welt; 7.) Kein natürlicher Weg um schwanger zu werden. Frauen, die diese Gründe angeben, bekommen nicht nur Kritik zu spüren, sondern auch den gesellschaftlichen Druck.

Zuletzt wird noch ein Tabuthema erläutert: Frauen, die schon bereits schwanger waren und ein Kind entbunden haben, spüren ebenfalls den gesellschaftlichen Druck. Frauen, die von einer traumatischen Geburt oder postpartale Depressionen berichten, werden meistens entweder kaum beachtet oder sie werden nicht ernst genommen. Das Klischee: „Wenn man einmal sein Kind in den Armen hält, vergisst man die Schmerzen“ trifft nicht auf jede Frau zu. Manche entscheiden sich nach der ersten Geburt bewusst gegen eine erneute Schwangerschaft, weil sie es mental nicht schaffen, die ganze Prozedur erneut zu durchmachen. Es bleibt nämlich nicht nur bei der schmerzhaften Geburt, dazu kommen noch Ängste, Schlafstörungen, Selbstzweifel bei der Erziehung, Einsamkeit, gereiztes Verhalten, Veränderungen in der Partnerschaft, Schmerzen beim Stillen, Blutungen, verändertes Körpergefühl und anderes Körperbild, Entfremdung vom eigenen Körper, Entfremdung vom eigenen Ich, verständnislose Angehörige,… kurz gesagt: es wird nicht nur ein Kind geboren, sondern eine Mutter. Das Leben einer Mutter ändert sich drastisch und manche fühlen sich damit überfordert und dies wird meistens nicht beachtet, wenn erstmal das Kind da ist.  Jedoch gibt man das meist nicht so leicht zu oder wenn man es zugibt, kann man mit verständnislosen Kommentaren und Vorurteilen rechnen. Als Frau müsse man es aushalten, sonst sei man eine schlechte Mutter – das und viele weitere solcher Kommentare bekommt man zu hören, wenn man als Mutter mutig ist und offen und ehrlich über die eigene Lebensrealität spricht.

Anhand solcher Aussagen oder Beispielen merkt man, dass die Gesellschaft eine größere Rolle, bei dem Kinderwunsch einer Frau, spielt als man es erwartet. Allerdings sollte man sich dadurch nicht beeinflussen lassen, denn: eine Frau sollte dann Kinder bekommen wann sie es will, ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen. Die Gründe können dafür unterschiedlich und individuell sein, man sollte allerdings den Wert einer Frau nicht von ihren Kinderwünschen und der Gesellschaft abhängig machen. Es ist auch nicht verboten als Mutter Wahrheit zu zeigen oder Tage zu haben an denen man es einfach nicht aushält und sein altes Leben wieder zurück will. Es sagt nämlich nichts über die Liebe zum Kind aus und nichts über die Mutter, denn Muttersein ist nicht nur von positiven Emotionen geprägt, sondern auch von negativen und dies sollte mehr Aufmerksamkeit verdienen.


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