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Menschenrechte und COVID-19: Recover Better – Stand Up For Human Rights


Heute vor genau 72 Jahren, am 10. Dezember 1948, verabschiedeten die Vereinten Nationen die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Sie sollte nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges sicherstellen, dass sich derartige Gräueltaten nie mehr wiederholen würden. In diesem Jahr steht der Internationale Tag der Menschenrechte passend zur Coronakrise unter dem Motto „Recover Better – Stand Up For Human Rights“.

Das Jahr 2020 ist weltweit von der COVID-19 Pandemie dominiert. Kaum ein anderes Thema ist so omnipräsent und das zu Recht. Was jedoch gerne zwischen Statistiken und Pressekonferenzen untergeht, sind jene Missstände in der Gesellschaft, die durch die Pandemie verstärkt oder überhaupt erst sichtbar gemacht werden. „Das Virus diskriminiert nicht“, hört man oft – nur leider tut es das doch. Corona-Schutz ist ein Privileg: Ansteckungen passieren vermehrt dort, wo die Arbeitsbedingungen schlecht sind oder „einfach zu Hause bleiben“ keine Option ist; wo es Vorerkrankungen durch schlechte Gesundheitsversorgung gibt oder die Wohnsituation beengt ist. Doch auch abseits der Teststatistiken diskriminiert das Virus weiter.

Armut

Es ist kein Geheimnis, dass die Corona-Pandemie wirtschaftlich jene am härtesten trifft, die ohnehin schon von Armut betroffen sind: in Österreich also Menschen mit Migrationshintergrund, Arbeitssuchende, Alleinerziehende und bildungsferne Gruppen. Neu hinzugekommen sind kleine Selbstständige, Künstler:innen und jene, die in „stillgelegten“ Branchen wie Gastronomie oder Unterhaltung beschäftigt sind. Doch nicht nur die unmittelbaren Folgen der Pandemie werden sich auf die Armutsgefährdungsquote in Österreich niederschlagen, auch die Bildungsverluste durch das Homeschooling, psychische Krankheiten ausgelöst durch außerordentliche Belastungen sowie der Verlust des sozialen Umfelds können indirekt die Armutsquote nach oben treiben. Die Coronakrise zeigt auf, was schon zu lange unsichtbar war: Armut geht uns alle an – jetzt mehr denn je.

Ungleichheit

Während die einen Zoomkonferenzen im eigenen Zimmer abhalten, lernen die anderen zu viert am Küchentisch. In manchen Familien sind Mama und Papa im Homeoffice, in anderen arbeitet Mama im Einzelhandel, ständig in Angst, das Virus zu den Kindern nach Hause zu tragen. Für den einen ist der Rückzug ins Private eine willkommene Entspannung, für den anderen ein Leben in ständiger Angst. Papa sitzt mit Kopfhörern im Heimbüro, Mama betreut nebenbei die Kinder, wäscht und kocht. Was früher zumindest in Ansätzen außerhalb der Familien aufgefangen werden konnte, bleibt jetzt unsichtbar. Deshalb ist es gerade jetzt so besonders wichtig, den Stimmen Gehör zu schenken, die über ihre persönliche Realität berichten wollen, abseits des Mainstreams. So können wir gemeinsam Schritte gegen die Ungleichheit in der Gesellschaft setzen.

Umwelt

Sogar Umweltschutz spielt im Zuge der COVID-Pandemie eine Rolle. Reduzierter Flugverkehr, niedrigere Produktion und geringere Mobilität wirken sich positiv auf die CO²-Bilanz der Atmosphäre aus. Das Virus zeigt jedoch nicht nur die positiven Veränderungen in der Klimakrise auf. Ökonomisch benachteiligte Gruppen oder Minderheiten sind schädlichen Umwelteinflüssen schutzlos ausgeliefert, mit dramatischen Konsequenzen. Sie leiden häufiger unter Vorerkrankungen, erkranken öfter und schwerer an COVID-19. Besonders zeigen sich diese Unterschiede in städtischen Ballungsräumen mit hoher Feinstaubbelastung, hoher Wohnraumdichte und großer Einkommensschere – was für die einen unsichtbar ist, ist für die anderen Alltag.

COVID-19 als Chance?

Dennoch bietet diese Pandemie eine Chance, die nahezu einmalig ist. Noch nie waren die Unterschiede in unserer Gesellschaft derart greifbar. Wir können sehen, wie sie uns im Kampf gegen das Virus lähmen und wie sie die globale Gemeinschaft schwächen. „Recover better“ – darin steckt das hohe Ziel, nicht nur die alte Gesellschaft wiederaufzubauen, sondern sie zu verbessern, fairer, menschlicher und solidarischer zu gestalten. Nehmen wir also nicht nur Abstandhalten und Isolation aus dem Jahr 2020 mit, sondern auch Solidarität, Gemeinschaft und die Erkenntnis, dass wir als vereinte Gesellschaft am Stärksten sind.

Quellen

Bundesministerium für Soziales: „COVID-19: Analyse der sozialen Lage in Österreich – Armut und soziale Ausgrenzung während der COVID-19 Pandemie“

Global 2000: “Wie sich der Corona-Lockdown auf unsere Umwelt auswirkt“ https://www.global2000.at/news/coronavirus-und-die-umwelt

Harris, Rita: “Environmental Justice and COVID-19: Some are Living in a Syndemic” https://ncrc.org/environmental-justice-and-covid-19-some-are-living-in-a-syndemic/

International Institute for Environment and Development: “COVID-19 highlights three pathways to achieve urban health and environmental justice”
https://www.iied.org/covid-19-highlights-three-pathways-achieve-urban-health-environmental-justice


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