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Hunger: Nicht nur ein Auslandsproblem


Der Kampf gegen den Welthunger ist und bleibt ein wichtiger Kampf. Nicht umsonst wurde das Welternährungsprogramm der UN mit dem heurigen Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Ein Drittel aller Menschen weltweit leidet an Mangelernährung, alle 10 Sekunden stirbt ein Kind an den Folgen von Hunger.

Auch Österreich Teil des Problems

Österreich wird zurecht von vielen als hochentwickelter, wohlhabender Staat angesehen. Dies ist in vielen Bereichen unumstritten und Österreich ist nach wie vor weit entfernt von Hungersnöten, wie wir sie vor allem von Bildern aus anderen Staaten und Kontinenten kennen. Dennoch sollte man nicht vergessen, dass auch hierzulande über 600.000 Menschen zu wenig verdienen, um sich eine tägliche ausgewogene und gute Ernährung leisten zu können.[1] Eine zusätzliche Belastung für die Betroffenen in Österreich ist die steigende Inflationsrate, denn auch unverzichtbare Grundnahrungsmittel wie Reis oder Kartoffeln sind davon betroffen und werden jedes Jahr teurer. Damit wird es längerfristig schwerer für Menschen mit geringem Einkommen, genügend hochwertige Nahrung zu kaufen und folge dessen ausreichend Mahlzeiten zu sich zu nehmen.

Corona verstärkt die Problematik

Die Coronakrise beschleunigt die finanizielle Problematik. Während die Politik versucht, das Gesundheitssystem mit drastischen Regelungen vor einer drohenden Überlastung zu schützen, sind diese einschneidenden Maßnahmen für ohnehin schon finanziell angeschlagene Familien eine weitere Belastung. Kurzarbeit oder sogar der Rutsch in die Arbeitslosigkeit lösen plötzliche Notstände aus, auch die Ernährung kann darunter leiden. Amnesty International schreibt in einem Bericht zu den Auswirkungen von COVID-19 auf die soziale Stabilität in Österreich: „Auch wenn diese Maßnahmen grundsätzlich ein positives Signal aussenden, ist aus menschenrechtlicher Sicht kritisch zu hinterfragen, ob sie tatsächlich zu einem menschenwürdigen Dasein beitragen können.“ Wahlzuckerln und eine Einmalzahlung von 450€ an Arbeitslosenunterstützung aufgrund der Corona-Krise sind gut gemeint, das Problem lösen sie aber nicht.

Von Unterernährung zu Körperschäden

Fatal sind die Folgen von Unterernährung vor allem für Kinder und Heranwachsende. Mangelernährung schwächt das Immunsystem und steigert dadurch die Infektanfälligkeit für Krankheiten sämtlicher Natur sowie das Risiko, an Osteoporose zu leiden. Dies wirkt sich auch auf die Produktivität der Betroffenen aus. Menschen, die dauerhaft unternährt sind, sind schwächer und haben weitaus weniger Arbeitskraft, was zu einem Teufelskreis der Armut führen kann. Psychische Folgen sind ebenfalls nicht zu unterschätzen. Kinder, die ständig zu wenig zu essen haben oder fehlernährt sind, entwickeln sich oft deutlich langsamer als ihre Altersgenossen und haben somit zusehends Probleme, sich richtig in die Gemeinschaft zu integrieren. Die daraus resultierende Scham und die Einsamkeit können sich unter anderem in Aggressivität oder Depressionen äußern.

Diese schwerwiegenden Auswirkungen auf den betroffenen Menschen selbst, also auf seinen Körper und seine Psyche, wie auch auf unsere gesamte Gesellschaft, sind keineswegs zu verharmlosen. Österreich ist durchaus ein Teil des Problems und es sollte unser aller Ziel sein, dieses schnellstmöglich zu lösen. Eine wichtige Maßnahme wäre, der andauernden Lebensmittelverschwendung ein Ende zu setzen.

Lebensmittel in der Tonne

Während die einen zittern müssen, ob sie dem Volksschulkind am Ende des Monats noch Jause mitgeben können, werfen die anderen genießbare Lebensmittel tonnenweise in den Abfall. Laut dem Dachverband der Steirischen Abfallwirtschaftsverbände landen allein in der Steiermark jährlich Lebensmittel im Wert von 150 Millionen Euro im Müll, österreichweit sind es sogar rund eine Milliarde Euro oder 577.000 Tonnen (!) pro Jahr. Auch in Supermärkten, Hotels und Restaurants werden riesige Mengen an essbaren Lebensmitteln verschwendet, allein in Wien wird am Tag gleich viel Brot entsorgt, wie in Graz gegessen wird.[2]

Was tun gegen Lebensmittel-verschwendung?

Doch es gibt positive Gegenentwicklungen. So werden beispielsweise jeden zweiten Samstag Lebensmittel vom „Team Österreich Tafel“ aus Supermärkten vor der Entsorgung gerettet und anschließend bei ausgewählten Dienststellen des Roten Kreuzes an Bedürftige ausgegeben. In ganz Graz können überschüssig gekaufte Lebensmittel von Privatpersonen in sogenannte „Fairteiler“ gegeben werden. Jede:r kann sich aus diesen Schränken dann benötigte Lebensmittel kostenlos herausnehmen.[3] Auch die Caritas versorgt mit ihrem „Marienstüberl“ in Graz-Lend täglich bis zu 280 Bedürftige mit warmen Speisen. Ein modernes Start-up, die kostenlose App „Too good to go“, ermöglicht es Gastronomiebetrieben, nicht verkaufte Speisen am Ende des Tages zu einem Drittel des Preises abzugeben. Für Interessierte ist allerdings ein digitales Endgerät samt der installierten App „Too good to go“, sowie eine Kreditkarte oder ein PayPal-Konto nötig, was die Nutzung für wirklich Bedürftige schwierig macht.

Der Weg zum Ziel

Hilfsangebote und Lösungsansätze gibt es also, sie sind jedoch nicht dazu imstande, dafür zu sorgen, dass allen Österreicher:innen das Recht auf hochwertige und vor allem ausreichende Nahrung in voller Form gewährt wird. Hier sind nachhaltige und langfristige Lösungen seitens der Politik, die sowohl das Problem der Lebensmittelverschwendung und das der Unterernährung aufgreifen, sowie auch ein größeres gesellschaftliches Bewusstsein schaffen vonnöten. Im zweiten Nachhaltigen Entwicklungsziel (SDG) der Vereinten Nationen sind bereits seit 2016 konkrete globale Bestrebungen definiert, um das Hungerproblem lösen zu können. [4] Bis dahin heißt es: Nicht wegschauen, helfen!

Quellen

[1] https://oe1.orf.at/artikel/354749/Welternaehrungstag-Hunger-auch-in-Oesterreich

[2] https://www.derstandard.at/story/2000011234922/
lebensmittel-vor-dem-muellberg-bewahren

[3] https://nachhaltig-in-graz.at/listen/foodsharing-fairteiler-in-graz-umgebung/

[4] https://www.sdgwatch.at/de/ueber-sdgs/2-kein-hunger/

 


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