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Textilien aus Bangladesch: hinter den Kulissen


Bangladesch ist eines der an den dichtesten bevölkerten Ländern der Erde. Besonders seit Beginn des 21. Jahrhunderts stieg die Zahl der Bevölkerung rasant an. Die Textilindustrie ist für die bangladeschische Wirtschaft einer der Grundpfeiler. Mit der globalen Textilindustrie kamen aber zahlreiche Probleme mit nach Bangladesch, unter Anderem miserable Arbeitsverhältnisse, gesundheitliche Probleme für Arbeiter:innen und Anrainer:innen sowie massive Umweltverschmutzung.

Bangladesch ist einer der größten Textilexporteure weltweit. Die Textilindustrie spielt für die Wirtschaft des Landes eine essenzielle Rolle. Immerhin ist die Textilindustrie der größte Devisenbringer in dem am Golf von Bengalen liegenden Staat. Die über 4500 Textilfabriken (Stand 2013) arbeiten häufig mit engen Gewinnspannen, da der Produktionsmarkt sehr groß ist.[1]

Die Folgen des finanziellen Gewinns

Die Kostenreduktionen, um am globalen kapitalistischen Markt die Aufträge zu erhalten, müssen die Arbeiter:innen und die Umwelt tragen. Allein in den Jahren 2007 bis 2012 sind über 700 Arbeiter:innen in den Textilfabriken gestorben.[2] Die Sicherheitsstandards sind in den allermeisten Fabriken in Bangladesch katastrophal. Es kam zum Einsturz mehrerer Gebäude, die größte Tragödie war der Einsturz des Raza Plaza in Sabhar im Jahre 2013. Alleine bei dieser Tragödie kamen über 1000 Textilarbeiter:innen ums Leben.

Viel Arbeit für wenig Geld

Der internationale kapitalistische Markt wirkt sich enorm auf die Gehälter der Arbeiter:innen aus. Das Einkommen reicht meistens selbst bei niedrigeren Erhaltungskosten nicht für ein Leben in den Ländern. Bangladesch, welches von Großkonzernen in die Rolle des Billigproduzenten für Textilien gedrängt wurde, muss sich auf diesem Markt gegenüber anderen Staaten, größtenteils aus derselben Region, durchsetzen. Dies wirkt sich fatal auf die Einkommen der Personen aus. Der Trend, dass der Handel die Preise drückt und sich das auf die Einkommen und folglich auch auf die Gesundheit wie die Sicherheit der Arbeiter:innen auswirkt, nimmt seit ca. 2000 immer stärker zu.

Kollateralschaden Umwelt

Viele Fabriken verschmutzen auch das Wassersystem mit Farbstoffabwässern, es gibt auch Tendenzen diese wieder zurückzuverfolgen, dies scheitert meistens aber an den technischen Möglichkeiten der Rückverfolgung.[3] Diese Abwasserfarbstoffe sind häufig krebserregend und dadurch gefährlich für die betroffene Bevölkerung sowie das Ökosystem. Das Auftreten verschiedener Arten von Chromosomenanomalien zeigt das Vorhandensein von genotoxischen Mitteln in den Textilfarbstoffabwässern an, die in der Lage sind, chromosomale Proteine, DNA, mitotische Maschinen, zelluläre Proteine, Zellplatten usw. zu stören.[4]

Eine Studie, welche im Jahr 2015 veröffentlicht wurde, belegt, dass in Narayangonj (ca. 600 000 Einwohner:innen) von der Textilindustrie erzeugten Abwässern, Klärschlamm und Feststoffen Abfälle jeden Tag, direkt in den umliegenden Kanal eingeleitet wurden sowie auf landwirtschaftlich Felder, in Bewässerungskanäle und Oberflächenwasser entsorgt wurden. Auf diesen Weg kamen die Giftstoffe schließlich in den Sitalykha Fluss.[5] Ein weiterer Faktor, welcher die Umwelt massiv beeinflusst, ist der Wasserverbrauch. Im gesamten Vorgang von der Bewässerung Baumwolle bis zur Einfärbung der Jeans, verbraucht eine Jean durchschnittlich 8000 l Wasser.[6] Durch die Folgen der Klimakrise wird auch der Anbau der Baumwolle immer mehr Wasser verbrauchen, das wiederum beschleunigt die Klimakrise, ein Kreislauf mit fatalen Folgen für die Menschen.

Von Arbeiter:innen zu Corporate Citizens

Wieso werden Textilien dennoch zu diesen Bedingungen produziert, obwohl die negativen Auswirkungen seit Jahren bekannt sind? Ungefähr seit dem Jahr 2000 nimmt die Globalisierung in Südasien stark zu. Durch das zunehmende wirtschaftliche Wachstum entstand ein neues Phänomen, welches unter den Namen “global corporate citizenship” bekannt geworden ist: international agierende Großkonzerne haben durch ihre enorme Bedeutung immer mehr Einfluss auf die Handlungen der Regierungen. Viele Staaten sitzen im Fall einer Abwanderungsandrohung seitens eines Konzernes auf dem kürzeren Ast, da viele Arbeitsplätze und Steuereinnahmen an den jeweiligen Großkonzern gebunden sind.

Die immer größere Macht der großen multinationalen Unternehmen wirkt sich negativ auf die Produktionsbedingungen in Bangladesch aus. Viele von diesen Faktoren schränken die Menschenrechte erheblich ein – dies spiegelt ein generelles gesellschaftliches Problem mit der Macht des Konsums und der Produktion. Das Wirtschaftswachstum ist im Kapitalismus der Maßstab des „Erfolges“.  Bangladesch ist ein Extrembeispiel. Zwar zeichnet es sich in Österreich nicht so stark ab, dennoch sollten wir uns bewusst sein, wo unsere Textilien herkommen und vielleicht auch zweimal überlegen, ob wir mitmachen und die Konzerne füttern wollen, oder ob wir lieber mal Fairtrade- oder second-hand-Produkte einkaufen.


Quellen

[1] French Joseph J., Martin Michael, The roof is on fire: the ethical minefield of the textile industry in Bangladesh. In: Journal of the International Academy for Case Studies, Oct, 2013, Vol.19(7), S. 84.

[2] Ebda., S.85.

[3] Rahman. Mahfuzur, Rahman Fazlur, Nasirujjaman Khondoka, A study on genotoxicity of textile dyeing industry

effluents from Rajshahi, Bangladesh, by the Allium cepa test. In: Chemistry and Ecology, 28 May 2017, Vol.33(5), S.440.

[4] Rahman. Mahfuzur, Rahman Fazlur, Nasirujjaman Khondoka, A study on genotoxicity of textile dyeing industry

effluents from Rajshahi, Bangladesh, by the Allium cepa test. In: Chemistry and Ecology, 28 May 2017, Vol.33(5), S.443

[5] Sarker Mrh, Razzaque A, Hoque MM ; Roy S, Hossain Mk, Investigation of Effluent Quality from an Effluent

Treatment Plant of a Textile Industry, Fakir Knitwear Ltd. Narayangonj, Bangladesh. In: Journal of Environmental Science and Natural Resources, 02/29/2016, Vol.8(2), S. 31.

[6] https://www.nachhaltigleben.ch/mode/virtuelles-wasser-eine-jeans-hat-wasserverbrauch-von-8000-litern-2729, Abgerufen am 26.10.2020.


 


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