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„I am Greta“- Filmszenen aus dem Herzen. Eine Filmkritik


Greta Thunberg- Ah, da war ja was! Es scheint ewige Zeiten zurück zu liegen, dass die Debatte um den Klimawandel Politik und Medien dominiert hat. Das Corona- Virus und dessen Folgen haben in den letzten Monaten jedes andere Thema aus der Öffentlichkeit verdrängt. Jetzt scheint dem Mädchen mit den Zöpfen und dem charakteristischen gelben Regenmantel ein Comeback gelungen zu sein. Am 16.10.2020 startete die Dokumentation „I am Greta“ in den österreichischen Kinos.

„I am Greta ist ein emotionaler und aufrüttelnder Dokumentarfilm über das Leben der jungen Klimaaktivistin Greta Thunberg. Regie führt der Dokumentar-Filmemacher Nathan Grossman, der das Mädchen und seine Familie ein Jahr lang begleitet. Dadurch gelingt ihm eine respektvolle, zugleich intime Hommage, die Einblick in die Gefühlswelt der Fridays for Future- Ikone gewährt und besonders ihren Aufstieg zur Popularität und den Umgang mit der plötzlich gewonnenen Berühmtheit thematisiert. Der Film feierte im Zuge des 77. Venice International Film Festival am 3. September 2020 Weltpremiere und soll im November auch auf dem Internet Anbieter Hulu erscheinen. Auf Instagram verkündete Thunberg am Freitag, dass die Einnahmen durch den Film an Umweltschutz-Organisationen gespendet werden.

Über Nacht zur Klima-Ikone

Am 20. August 2018 setzt sich die damals fünfzehnjährige Greta Thunberg erstmals allein vor den schwedischen Reichstag. Neben ihr das „Skolstrejk för Klimatet“ – Schild, welches mittlerweile zu einem Markenzeichen und weltweiten Wiedererkennungsmerkmal etabliert wurde. Greta wird größtenteils ignoriert. Eine ältere Dame fragt sie lediglich, ob sie nicht eigentlich in der Schule sein sollte, worauf Greta meint, dass es keinen Sinn hätte in einer Welt zu lernen, die keine Zukunft hat. Durch ihre autistische Veranlagung hat sie die „Fähigkeit“ sich voll und ganz auf Dinge zu konzentrieren und sich Fakten genau einzuprägen – diese Tatsache hilft ihr bei ihrem Aktivismus. Schnell schließen sich andere an. Noch schneller, so wirkt es, erlangt sie innerhalb kürzester Zeit weltweite Medienaufmerksamkeit. Greta Thunberg, das kleine Mädchen mit Asperger- Syndrom, wird unbeabsichtigt zu einer „Pop- Ikone“.

In einer Achterbahnfahrt der Gefühle wird im Laufe des Filmes gezeigt, wie sich global Fridays for Future- Gruppierungen bilden und junge Leute auf die Straßen gehen, um eine angemessene Klimapolitik einzufordern. Auch Politiker:innen und Entscheidungsträger:innen finden mehr und mehr Interesse an der Schwedin. Sie hält Reden auf Klimakonferenzen, beim Weltwirtschaftsforum 2019 in Davos und vor der Europäischen Kommission, … Jedoch, tut sich nichts. Immer offensichtlicher wird, dass sie zwar gerne gesehen und begrüßt wird – zwecks medialer Aufmerksamkeit – aber ihren Worten und ihrem Appell scheint niemand Folge leisten zu wollen.

Wellen schlagen

Greta fühlt sich ausgenutzt, entmutigt, im Stich gelassen. Das wird auch in der Weise spürbar, in der sie sich der Öffentlichkeit präsentiert. Mit zunehmender Frustration geraten ihre Reden immer emotionaler, eindringlicher, wütender. Um Ruhm geht es ihr nicht, Beliebtheit kümmert sie nicht, sie will, dass wir in Panik geraten und dass wir endlich anfangen, die Klimakrise wie eine Krise zu behandeln. Eine Schlüsselszene des Films ist zweifellos die Atlantiküberquerung per Segelyacht. Die seekranke, müde, von Heimweh geplagte Greta kauert an der Reling, während Wasser von allen Seiten auf das Boot spritzt, und fühlt sich überwältigt von Verantwortung und den Erwartungen, die die ganze Welt an sie richtet. Eigentlich will sie das alles gar nicht mehr. Aber sie gibt nicht auf und in der nächsten Szene sieht man, wie sie jubelnd von Menschenmassen in New York empfangen wird. Greta hat einen Stein ins Rollen gebracht.

Durch Authentizität Veränderung schaffen

Es war ein sehr eindringliches, intensives Erlebnis „I am Greta“ auf der Kinoleinwand zu sehen. Alles in allem hat der Film meine Erwartungen übertroffen. Ich habe zahlreiche neue Einblicke in das Leben der jungen Aktivistin erhalten und meine Hochachtung für sie ist weiter gestiegen. Besonders beeindruckt hat mich Gretas erwachsener und souveräner Umgang mit Hass im Netz, wie auch mit Spott und Häme von mehreren respektlosen Politiker:innen und Journalist:innen. Mit ihrer herzerwärmenden Offenheit und Unschuld entwaffnet sie jeden schlechtplatzierten oder herablassenden Witz und mit ihrem messerscharfen Verstand schätzt sie brenzlige Situationen allesamt korrekt ein und reagiert angemessen.

Das Thema Klimawandel ist nach wie vor top-aktuell und Greta Thunberg jene Person, die diese Debatte erfolgreich neu angeheizt hat. Sie macht auf viele Missstände in unserer Gesellschaft aufmerksam und zeigt auf, welche Folgen diese auf unsere Umwelt und Mitmenschen haben. Auch spricht sie die existentielle Bedrohung an, die die Klimakrise für viele Menschen darstellt. Ganz konkret in Gefahr sind besonders die Menschenrechte im globalen Süden, wo bereits jetzt Millionen von Einwohner:innen durch Naturkatastrophen aus ihrer Heimat vertrieben werden oder denen es aufgrund von Verschmutzung an sauberem Trinkwasser und Nahrung mangelt. Aus diesem Grund hat diese Dokumentation enorme Bedeutung für unsere Gesellschaft und sollte von möglichst vielen Menschen gesehen werden. Der Film zeichnet ein bewegendes Portrait einer starken, intelligenten Frau, die mit ihrem Engagement anderen Mut zum Handeln macht. Was allerdings nicht geboten wird, sind konkrete Daten und Fakten in Bezug auf den Klimawandel. Davon gibt es aber, laut Thunberg, ohnehin schon genug.

 

Bildnachweis: Anders Hellberg, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons


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