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Die starken Frauen, die das Geld nach Hause bringen


Entscheidet sich ein heteronormatives Paar im Laufe der Familienplanung dafür, dass der Mann in Form der Väterkarenz bei den Kindern bleiben wird, da die Frau nach der Geburt rasch wieder ins Berufsleben einsteigen möchte, um ihre berufliche Karriere fortzuführen, wird dies auch noch im Jahre 2019 als äußerst kritisch angesehen. Dem Mann obliege doch die Pflicht der Fürsorge für die Familie.

Tief verankert in unseren Köpfen sind die patriarchalen, alten Denkmuster vom starken, fürsorglichen Mann, der das Geld ins Haus bringt und im Gegensatz dazu von der schwachen Frau, die sich darauf auszuruhen hat –  um von nun an eine gute Hausfrau und Mutter zu repräsentieren. Bis vor wenigen Jahren galt es als selbstverständlich, dass die Damen ihre Karrieren der Familie opfern und die Herren ihre Leben dem der Kinder vorziehen
.

Die Meisten von uns würden heutzutage wohl von sich aus vehement bestreiten, diesem veralteten Bild der Familie zuzustimmen, doch einzig und allein die Minderheit der Österreicherinnen und Österreicher leben das Gegenteil davon aus und dienen somit als Vorbild der modernen, fortschrittlichen Familie.

Für jene, die einen Schritt in die richtige Richtung gehen wollen, erstmals jedoch nur den ,,Papamonat” in Anspruch nehmen, wird derzeit ein Kündigungsschutz stark diskutiert – dies soll mehr Sicherheit gewährleisten und die Möglichkeit attraktiver erscheinen lassen. Derzeit dient der sogenannte ,,Papamonat” hierzulande hauptsächlich dem Zweck, von Anfang an eine stabile Vater-Kind-Beziehung aufzubauen und diese aufrechtzuerhalten, einen Einblick in die Erziehung und in das tagtägliche Leben mit Kindern zu erhaschen und die Frau nach der Geburt zu entlasten.

Seit 1990 haben generell auch Männer gesetzlich die Möglichkeit zur Väterkarenz, seit dem Jahre 2004 auch einen Rechtsanspruch darauf – diese Möglichkeiten blieben bisher jedoch meist ungenutzt.

Seit dem 1. Jänner 2010 stehen allgemein fünf verschiedene Karenzmodelle zur Auswahl, zwischen denen individuell gewählt werden kann:

  • Modell 1 – hier kann ein Elternteil alleine 30 Monate Kindergeld beziehen (+6 Monate wenn sich beide Elternteile die Karenz teilen)
  • Modell 2 – Kindergeldbezug ist hier auf maximal 20 Monate beschränkt (+4 Monate)
  • Modell 3 – ein Elternteil bezieht alleine 15 Monate Kindergeld (+3 Monate)
  • Modell 4 – die Zeit des Kindergeldbezuges ist auf 12 Monate festgelegt (+2 Monate)
  • Modell 5, einkommensabhängiges Kindergeld – diese Form ist für ein Elternteil allein auf ebenfalls 12 Monate beschränkt (+2 Monate) [1]

Die Karenzmodelle unterscheiden sich hauptsächlich in der Dauer der Freistellung und in der Höhe des Kindergeldbezuges.

Laut Statistiken nahmen im Jahr 2015 etwa 90% der fortschrittlichen Schweden die Väterkarenz in Anspruch, in Österreich handelte es sich um rund 17% der Bevölkerung.  Die Mehrheit der Männer, die sich für die Väterkarenz entschieden, waren damals Angestellte (17.447 Personen), gefolgt von Arbeitern (9.756), Selbstständigen (5.670) und öffentlich Bediensteten (4.324). [2]

Männern stehen immer noch viele Hürden im Weg, die eine Väterkarenz scheinbar oftmals verhindern: Starre Karriereleitern, fehlende Unterstützung in den Betrieben seitens des Arbeitgebers, wenig Verständnis im Freundes- und Verwandtenkreis und unzureichende Kinderbetreuung – vor allem am Land ist dies ein schwieriges Thema. [3]

Laut Statistiken gingen 2017 in Wien die meisten Männer in Karenz (28,32%), in der Steiermark entschieden sich 18,6% dafür.

Ebenfalls ein großes, gesellschaftliches Problem, womit wir wohl noch lange zu kämpfen haben werden: Noch immer wird die Väterkarenz kaum zum Thema gemacht
. Ein Vater, welcher sich bewusst dagegen entscheidet, wird keineswegs in Frage gestellt und stellt sich wiederum selbst ebenfalls nicht in Frage. Entscheidet sich eine Mutter gegen die Karenz und für die Karriere, wird diese schnell in ihrer Rolle als gute Mutter kritisiert – außerdem hadern diese Frauen infolgedessen häufig sehr mit sich selbst und ihrer Entscheidung.

Welche Form der Karenz und Kinderbetreuung nun auch gewählt werden mag: Eine gerechte Aufteilung der Erziehungsberechtigten und eine gemeinsame, liebevolle Erziehung im Sinne aller Beteiligten ist wohl das Allerwichtigste. Die Familie soll sich mit der Entscheidung wohlfühlen und diese sollte natürlich ebenfalls zum individuellen Lebensstil passen.

Quellen/Links:

[1] Karenzmodelle in Österreich (Eltern Forum)

[2] Väterkarenz ist noch unbeliebt (die Presse)

[3] Wie es die Männer mit der Karenz halten (der Standard)


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