Kenne Deine Rechte

Die Generation am Abgrund?


Wenn es um Jugendarbeitslosigkeit geht, dann sieht die Lage in weiten Teilen Europas alles andere als rosig aus. Teilweise finden sogar über 50% der arbeitssuchenden Jugendlichen keinen Job. Österreich steht mit 8,9% noch relativ gut da, dennoch ist die Jugendarbeitslosenquote auch bei uns im Steigen: Um 3,5% stieg laut AMS die Jugendarbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahr.

Damit sind über 50.000 junge Österreicher_innen arbeitslos gemeldet, und das ist bei weitem noch nicht alles. Denn die Dunkelziffer ist noch um einiges höher: Laut Agenda Austria gibt es doppelt so viele Arbeitslose, als die offiziellen Zahlen preisgeben. Denn viele Arbeitslose werden einerseits bei entsprechendem Alter in Frühpension geschickt, andererseits aber auch durch Schulungen als “In Ausbildung” gemeldet.

Schulungen – sinnvoll oder Geldverschwendung?

Das mit den Schulungen ist an sich ja keine schlechte Idee, aber warum steigt die Jugendarbeitslosigkeit dennoch so drastisch? Oder ist die Hauptintention hinter den Schulungen in Wirklichkeit gar nicht, arbeitslose Menschen weiterzubilden? Ein Gespräch mit einem arbeitslosen Jugendlichen schockiert: “Die Schulungen sind rein dafür da, dass du nicht als arbeitslos zählst. Außerdem bekommt man dafür bezahlt, auch wenn man keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld hat, das ist cool.”

Da stellt sich die Frage: Ist das denn wirklich nötig? Natürlich ist ein gutes Image auch für die Wirtschaft von Vorteil, doch um welchen Preis? Und gibt es denn keinen Weg, dieses Geld so zu investieren, dass es auch wirklich hilft?

Wer ist schuld?

Im Laufe unseres Gesprächs habe ich auch nach der Ursache für die steigende Jugendarbeitslosigkeit aus Sicht eines Betroffenen gefragt: “Meiner Meinung nach ist das Schulsystem schuld
. Aber darauf geh ich jetzt mal nicht ein, denn sonst würden wir hier noch ne Stunde sitzen.” Gut, wenn man selbst nicht mit einem System zufrieden ist, ist es leicht, diesem die Schuld zuzuschieben
. Wenn man allerdings etwas länger darüber nachdenkt, hat er vielleicht gar nicht so Unrecht. Denn im aktuellen Schulsystem müssen wir uns schon sehr früh entscheiden, was wir später einmal machen wollen. Mit 14 steht man vor der Wahl zwischen einer Lehre, einer Allgemeinen oder einer Berufsbildenden Höheren Schule. Und wenn man einmal eine Entscheidung getroffen hat, dann ist es oft schwer, sich noch einmal anders zu entscheiden, vor allem, da die meisten dieser Ausbildungsarten sich in irgendeine Richtung spezialisieren, und wenn es “nur” Fremdsprachen sind. Den Schultyp zu wechseln, ohne wieder von vorne zu beginnen, ist nur in den seltensten Fällen möglich, und darum wird es auch kaum gemacht. Da beißt man lieber durch oder, falls das nicht geht, hört ganz auf. Genau da liegt das Problem.

Informationsmangel

Natürlich gibt es auch nach einem Schulabbruch einige Möglichkeiten, doch wer informiert darüber? Wer macht einem klar, dass eine Zukunft ohne Schulabschluss alles andere als rosig ist? Jugendliche (nicht nur) in solchen Situationen brauchen Ansprechpersonen, erfahrene Erwachsene, die ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen, Personen, die sich um sie kümmern und Verständnis zeigen. “Aber dafür sind doch Eltern und Lehrer…” könnte man darauf sagen, doch in den meisten Fällen ist es leider nicht so, denn auch für Eltern und Lehrer_innen ist es oft schwer zu sagen, was für das Kind das Beste wäre.

Information ist also das Um und Auf, und da besteht auch noch genug Bedarf. Natürlich gibt es große Messen für Schulen, Lehrstellen und Universitäten, doch da muss wieder jeder selbst hingehen. Was, abgesehen von gröberen Änderungen im Schulsystem, die den Rahmen jedes Artikels sprengen würden, nötig wäre sind verpflichtende Orientierungsgespräche, Vorträge und Infoveranstaltungen nicht nur für Jugendliche, sondern auch für Eltern und Lehrer_innen. Weiters wäre es wichtig, zusätzliche beratende Gespräche mit „gefährdeten“ Jugendlichen zu führen, um einem möglichen Schulabbruch entgegenzuwirken oder um zumindest über die anderen Möglichkeiten zu informieren. Denn eines ist sicher: In einer Zeit, in der es schon eine große Anzahl an Arbeitslosen mit Universitätsabschluss gibt, ist es als Schulabbrecher_in alles andere als einfach, einen guten Job zu finden.

 


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