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„Niemand will sein Gesicht verlieren“


Ein steirisches Menschenrechtsprojekt hat es von Graz aus mit einer Ausstellung bis ins UNO-Hauptquartier in New York geschafft. In dem Kunstwerk sind die Portraits von 124 in Graz lebenden Menschen aus 124 verschiedenen Ländern zu einem großen Gemälde zusammengefügt.

Ein Interview mit dem Initiator ORF-Landesdirektor Gerhard Draxler

Das beeindruckendste Erlebnis bei diesem Projekt war für Gerhard Draxler nach den Ausstellungen in Graz und Wien die Ausstellungseröffnung in New York: „Das war einzigartig, das ist unwiederholbar. Noch nie hat es eine österreichische Ausstellung in dieser Größe im UNO-Hauptquartier in New York gegeben”. Normalerweise kann jede Nation nur mit einem symbolhaften Gegenstand vertreten sein, z.B. Grönland mit einem stilisierten Kabeljau. Es war und ist eine Ausnahme, dass eine Stadt wie Graz, die einzige Menschenrechtsstadt in Europa, einen Ausstellungsplatz auf 250 Quadratmetern für das Menschheitspanorama bekommen hat, schildert der Initiator seine Eindrücke: „Ich hab in meinem ganzen Leben Derartiges nicht erreicht, das hat es noch nicht gegeben, das ist auch unwiederholbar, ich weiß nicht, ob es irgendeinem Anderen gelingt, so etwas zu machen, weil die Hürden da relativ hoch sind.“

UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon nahm sich länger Zeit als geplant

Der absolute Höhepunkt war für Gerhard Draxler, dass sich UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon statt der angekündigten fünf Minuten, sozusagen zwischen einem afrikanischen Krisenherd und einem chinesischen Menschenrechtsthema, eine Stunde Zeit genommen hat, um die Ausstellung mit einem für Draxler unglaublich bemerkenswerten Satz zu eröffnen: „Eine exzellente Ausstellung, das ist der Geist, das ist die Idee der Vereinten Nationen.”

Die innere Haltung: Den Menschen ein Gesicht geben

Das Projekt zum Jubiläum 60 Jahre UNO-Deklaration entstand aus einer Haltung heraus, die den früheren ORF-Informationsdirektor schon sein ganzes Leben begleitet, nämlich die Menschen so zu nehmen, wie sie sind: „Man soll ihnen auch so begegnen, auf gleicher Augenhöhe
. Keiner ist geringer, keiner ist besser als der Andere.“ Sein Ansatz war: „Niemand will sein Gesicht verlieren.“ Nicht im privaten Bereich und in der Öffentlichkeit. Das sei in der asiatischen oder afrikanischen Gesellschaft noch mehr ausgeprägt als in unserer. So der negative Zugang, der positive ist: „Den Menschen ein Gesicht geben, nämlich ihr eigenes. Weil jeder Mensch einfach einzigartig ist“, so ORF-Landesdirektor Gerhard Draxler. Und nicht immer sei ein tragisches Schicksal damit verbunden
. Das reiche vom amerikanischen Techniker, der hier einen Job gefunden hat bis zur Frau, die sich hier verliebt hat. Sie kommen mit und ohne Pass, werden von Sicherheitsbehörden fotografiert. Das sei aber eine andere Welt. „Ich wollte ihnen ein Gesicht geben, Öl auf Leinwand, so wie es früher nur die Herrscher, die Fürsten gekriegt haben“, sagt der Mann, der das ORF-Landesstudio Steiermark nun als Menschenrechtsstudio bezeichnet. Das Projekt hätte sich auch auf die Arbeit der JournalistInnen im Haus ausgewirkt, nämlich dass in der Berichterstattung immer wieder das Thema Menschenrechte hinterfragt wird.

Gerhard Draxlers Wunsch für die Zukunft, den wir uns alle, wenigstens nur ein bisschen, zu Herzen nehmen sollten: „Dass der Geist und die Haltung, den Menschen so zu nehmen wie er ist, Alltag wird. Es ist ein Wunschdenken; wir wissen alle, so leicht geht das nicht. Aber jeder einzelne, der sich mit dem identifizieren kann, und das zu seiner eigenen Haltung macht, ist ein Gewinn für dieses Projekt.“

Foto von der Präsentation FACE HUMAN RIGHTS im UNO-Hauptquartier in New York.


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